Arbeitskreis – Ruhlaer Juden –

03. Juni 2013 Blog von Carola Wiegand
Ruhlaer Juden – ein schärfender Blick in die Geschichte
Artikel in der Ruhlaer Zeitung vom 12.6.2013

Die deutschland- und europaweite Zunahme fremden­feindlicher und antisemitischer Äußerungen und Gewalttaten werden auch in Ruhla nicht überhört.
Mit dieser Ausgangsüberlegung wollte die Salonière, Carola Wiegand, im September 2012 einen Salon zum Thema „Ruhlaer Juden und ihre Geschichte“ veranstalten. Schnell fanden sich Interessierte, die recherchierten, Zeitzeugen befragten und in Archiven stöberten. Doch die Datenlage jüdischen Lebens in Ruhla blieb dürftig. Der Salon wurde kurzerhand abgesagt und auf November 2013, dem 75. Jahrestag der Reichsprogromnacht, verschoben.
Die Interessierten gaben sich nun den Namen, „Arbeitskreis Ruhlaer Juden“ fanden in Bürgermeister Hans-Joachim Ziegler einen Befürworter und formulierten für sich das Ziel, dem Leben Ruhlaer Juden nachzuspüren, um auf diesem Weg ein Stück Geschichte der Stadt aufzuarbeiten. Der Arbeitskreis, der sich einmal im Monat trifft, unternimmt den Versuch, jüdische Lebensschicksale, deren Tragweite sowie Erklärungsansätze aufzufinden und niederzuschreiben. Wir wollen die Geräuschlosigkeit brechen, die zu diesem Thema über der Stadt schwebt. Wir wollen informieren und gedenken – nicht anklagen.

Namen wie Handschumacher, Dr. Cohn und Katz sind bekannt. Sie haben respektabel und angesehen in Ruhla gelebt und gearbeitet. Doch was wissen wir über ihr Leben und ihre mögliche Leidensgeschichte? Viele ihrer Häuser existieren nicht mehr und die Erinnerungen von Zeitzeugen sind oft widersprüchlich.

An zahlreichen Orten erinnert sich die Bevölkerung ihrer jüdischer Mitbürger. In einigen Städten, so auch in Eisenach, wird durch die Aktion „Stolpersteine“ ihrer gedacht. Kleine Messingplatten, die im Bürgersteig eingelassen sind zeigen, wo sie gelebt haben und berichten über ihr grausames Ende. Jeder Stolperstein mahnt, diese Gräueltaten nie zu vergessen und nie aufzuhören, wachsam zu sein, um rechtes Gedankengut im Ansatz zu verbannen!
Wir scheuten keinen Aufwand, uns Material in Archiven, Standesämtern und Zeitungen zugänglich zu machen. Und wir haben viel gesammelt. Besonders bedrückend für uns war das Auffinden eines Deportationsbefehls für Berta Handschumacher (geb. Mosenthal), der im Juni 1944 an sie erging. Dieser wird Bestandteil der Gesamtdokumentation des Arbeitskreises sein.
Ziel unseres Engagements ist die Verlegung von Stolpersteinen oder das Anbringen einer Gedenktafel, um in Ruhla ein Zeichen zu setzen.
Wir wollen nicht vergessen und wir hören genau hin!

Der Arbeitskreis verbindet mit diesem Artikel eine herzliche Bitte an alle Leser. Trotz umfangreicher Recherchen sind uns Informationen von Ruhlaer Bürgern sehr wichtig, die aus eigenem Erleben oder aus Erzählungen von Verwandten noch etwas wissen. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns bei der Aufarbeitung Ihr Wissen oder auch Fotos zur Verfügung stellen würden.

Wir werden alle Rechercheergebnisse in mehreren Folgen in den ‚Heimatgrüßen’ dieser Zeitung veröffentlichen. Der Abschlussbericht ist für November 2013 geplant.

Kontakt:
Arbeitskreis Ruhlaer Juden
Prof. Dr. Peter Geck
Geschwister-Scholl-Str. 22
99842 Ruhla
Tel.: 036929/89676

– Arbeitskreis Ruhlaer Juden ­–
Prof. Dr. Peter & Gisela Geck, Anita & Peter Thiel, Erika Liebetrau, Elisabeth & Peter Montag, Dr. Carola Wiegand & Prof. Dr. Manfred Lutherdt