„MASCHA KALÉKO – Verse, die man versteht“

05. März 2013 Blog von Carola Wiegand
„MASCHA KALÉKO – Verse, die man versteht“

Honky Tonk, das Kneipenfestival, und mein geplanter SALON im Februar fielen auf einen Tag. Der SALON wollte einen bewundernden Blick in Leben und Werk der Mascha Kaléko werfen. Da mehrere Salongäste beide Veranstaltungen genießen wollten, verschob ich kurzerhand meinen Salon auf September 2013. Eine unendlich lange Zeit, wie ich fand.

Maschab
„Das himmelblaue Poesie-Album“ M.K.; Bele Bachem


So wurde aus dem geplanten aber verschobenen Salon ein besonderer Kaminabend in kleinem, interessiertem Kreis. Ich glaube, alle folgten dem Wunsch nach Austausch mit feinsinnig, aufgeschlossenen Menschen und nach Inspiration. 

Ich weiß nicht mehr genau, wann sie mir das erste Mal begegnet sind, die großartigen Gedichte von MASCHA KALÉKO, die so vertraut wirken und mühelos daherkommen. Die beschriebenen Alltagssituationen, die man glaubt, aus eigener Erfahrung genau zu kennen.
       Ihre Großstadtlyrik paßt in keine Schublade. Sie ist selbstironisch, voller Witz und Spott und mit ganz viel warmherziger Melancholie für das Alltägliche. Eine wunderbare Mischung aus Berliner Schnodderigkeit und der schwermütigen Klugheit des jüdischen Ostens.
      Sie wird oft verglichen mit Heinrich Heine, Erich Kästner, Christian Morgenstern oder Joachim Ringelnatz. Aber sie ist mehr und sie ist anders. Ihre Verse und Prosa sind existenziell und lebenslänglich gekennzeichnet von dem Gefühl der Heimatlosigkeit und Auf-der-Flucht-sein. Verlorenheit und Heimweh thematisiert sie immer wieder mit einer zarten Zerbrechlichkeit.

       Dieser besondere, kleine Salon ohne musikalische Begleitung und ohne Experten war ein Experiment. Vortragender war jeder Gast. Es sollte ein Miteinander im Spannungsfeld zwischen Akteur sein, genießen und zuhören werden. Mit viel Raum für Inspiration und gute Gespräche, die Salon-Speise und ein Glas Wein. Jeder hatte sich „seine“ Gedichte von Mascha Kaléko ausgesucht und mitgebracht. Ich spürte eine gewisse Spannung zu Beginn und die unausgesprochene Frage – Ob ich das kann? Dieses Gefühl ging zum Glück schnell vorbei und schlug mit jedem Gedicht in große Begeisterung um.

       Es war ein bißchen so, wie die Neuentdeckung von etwas Besonderem. Pure LEBENSFREUDE! Einerseits, die göttliche MASCHA KALÉKO und zum anderen die eigene Öffnung für etwas, wofür die meisten per se keine Fähigkeit entwickelt haben. Wir haben uns gegenseitig eingeladen, ermutigt und uns inspirieren lassen, Gedichte von Mascha Kaléko zu rezitieren.
Ein wunderbares Selbstdoping.
Wir haben ein Potential in uns entdeckt und es zum Schwingen gebracht.
Unsere Neuentdeckung fühlte sich so gut an, daß wir sie unbedingt wiederholen müssen.

          LIEBE – LYRIK – LEIDENSCHAFT

          Saure Trauben
             Vor allem blieb dir unvergessen
          Ersehntes, das du nie besessen.
          Die schönste Frau und die
          Lieblichste Landschaft
          Verlieren bei allzunaher Bekanntschaft.

Kommentare (1)

Eine sehr schöne Idee. Mit der wunderbaren Mascha Kaléko kann ich Dir nur beipflichten. Von ihr bekommt man nie genug. Wann wird es den nächsten kleinen Kaminabend geben und mit wem? Ich freue mich ! LG Pia
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