Hochzeit im Empire State Building in New York

28. September 2012 Blog von Carola Wiegand
Hochzeit im Empire State Building in New York

Meine Scheidung liegt schon viele Jahre zurück und ich wollte nicht noch einmal geheiratet werden. Das Zusammen­leben mit Klaus fühlte sich für mich gut an. Klaus schlug mir gelegentlich vor, nun doch endlich zu heiraten, aber das schien mir nicht notwendig. Außerdem waren seine Anträge eher Anfragen und unromantisch. Vielleicht gibt es Romantik nur beim ersten Mal.
Nach der Rückkehr aus New York änderte sich meine Meinung. Ich stimmte einer Hochzeit zu, mit der Bitte, in New York, im Empire State Building zu heiraten.
New York hatte mich inspiriert!
Klaus war einverstanden und bat mich alles zu organisieren. Ich dachte mir einen markanten Tag aus, den 5.5.2010 in der 55.sten Etage.
       Meine Vorbereitungen nahmen Fahrt auf. Ich recherchierte und telefonierte und freute mich über jeden Schritt, der mir gelang. Langsam wuchsen meine Vorfreude und die Aufregung. Ich konnte es oft selbst nicht glauben, heiraten in New York !!!
Ich musste an den Beginn meiner Dissertation denken. Es war ein ähnliches Gefühl. Ich hatte wieder eine Tür aufgestoßen, die ich glaubte nie öffnen zu können.

 

Klaus war lediglich für das Beibringen seiner Unterlagen zuständig. Gelegentlich fragte er, ob es wirklich nicht anders ginge, als in New York zu heiraten. Ich glaubte etwas Missmut in seiner Frage zu hören.
 

Wir landeten in New York. Ich jubelte, Klaus nicht. Er zählte alles auf, was ihm nicht gefiel. Danach waren wir in einer alten, maroden, vom Zerfall bedrohten Stadt gelandet. Wir einigten uns darauf, nur die schönen Dinge zu benennen und dem anderen mitzuteilen. Von da an wurde es besser.
Klaus konnte sich nun auf den überwältigenden Zauber dieser ungewöhnlichen Stadt einlassen und ihn auch immer wieder mit mir teilen.
 

Am zweiten Tag trafen wir Steve. Er war Begleiter und Dolmetscher und schlecht zu Fuß. Er sprach sehr gut deutsch, liebte die deutsche Kultur und die deutschen Philosophen. Wir waren froh, dass er uns begleitete zu all den Behördengängen die notwendig waren, um unsere Hochzeitslizenz zu erhalten. Ohne die hätte uns niemand getraut.
 

Am Tag unserer Trauung, am 5. Mai, machten wir uns gegen 8.00 Uhr auf den Weg, einen Brautstrauß zu kaufen. Wo, war noch unklar. Wir suchten wahllos ein Blumengeschäft, was wir auch bald fanden. Ich suchte mir weiße Rosen aus, erklärte dem Verkäufer, wie er sie binden sollte und wir gingen mit einem wirklich schönen Hochzeitsstrauß zum Hotel zurück. Wie einfach das Leben sein konnte.
Um 11.00 Uhr fuhr eine schwarze Stretchlimosine vor. Wir waren beeindruckt. Passanten blieben auf der Straße stehen, um uns etwas Nettes zu sagen oder uns zuzujubeln, man weiß ja nie.
Wir fuhren zum Empire State Building. Von nun an betrachtete ich das ganze Geschehen wie einen Film. Es ging um zwei Personen, die aussahen, wie Klaus und ich, aber ich stand daneben und sah zu.
 

Die Trauung in diesem sagenhaften Art Déco Wolkenkratzer, die zu Herzen gehende, einfühlsam-philosophische Rede von Steve, der mit Tüll und Kerzen wunderbar dekorierte Raum und die feierliche Atmosphäre möchte ich jetzt nicht weiter beschreiben. Irgendwie kennt die jeder, man kann sie so schlecht beschreiben, ohne Gefahr zu laufen, kitschig zu werden. Man kann sie nur selbst erspüren und erfühlen.
Die überwältigende Rührung schlug sofort in kesses Schmunzeln um, als Michele, ein dienstbarer Geist im Hintergrund, vor die Hochzeitsgesellschaft trat und bemerkte, dass Mr. Steve bei seiner Hochzeitszeremonie vergessen hatte uns nach dem allesentscheidenden Wörtchen „JA" zu fragen. Auch hatte er uns nicht aufgefordert, unsere Ringe zu tauschen. Steve hatte wohl beides vergessen, weil seine eigene Rührung ihn überwältigte.
Es gab uns einen sehr willkommenen Anlass zum Lachen.
 

Unserem Hochzeitsessen auf der 5th Avenue in „JACK's STEAKHOUSE" bin ich noch heute dankbar. Nicht wegen der Üppigkeit jedes einzelnen Menü-Gangs, sondern wegen eines Vorurteils, das ich begraben musste. Nämlich, dass Gourmet-Essen nichts mit Amerika zu tun hat.
Der Tag endete genau so, wie ein Hochzeitstag in New York endet – spektakulär! mit dem Broadway Musical „LION-KING".

 
Ich hätte noch so viel zu erzählen, von diesem Tag in New York, von so vielen roseroten und himmelblauen Zwischentönen, vom Glück und welche Rolle der Fan-Schal des FC 1. Köln gespielt hat.
Aber das vielleicht ein andermal.
 

In selbstkritisch-vergnüglicher Gelassenheit
 

Eure Alorac

Kommentare (2)

Carola, bitte erzähle die Geschichte weiter, ich bin gespannt!!!!

cosima-Pia

Deine Beschreibung klingt wie ein sehr aussergewöhnliches Ereignis, bei dem ich auch gern dabei gewesen wäre. Erzähl doch bitte noch mehr von diesem Tag. Ich finde, Du hast gute Ideen! Liebe Grüße Cosima
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