Urlaub

01. September 2012 Blog von Carola Wiegand
Urlaub

‚Urlaub ist die schönste Zeit im Jahr'. Glauben Sie das auch? Ich schon, jedes Jahr aufs Neue.
Der Koffer ist schnell gepackt, da gibt es keine lange Vorbereitung. Ich suche meine Urlaubskleidung sehr sorgsam nach allen angedachten Aktivitäten aus. Mein Mann mahnt mich schon sehr frühzeitig, nicht zu viel mitzunehmen. Mal abgesehen davon, dass ich solche Sätze anmaßend finde, überhöre ich sie. Und ich verstehe nicht, warum ich im Urlaub mit 2 T-Shirts und einer Wanderhose auskommen soll. Ich will mir im Urlaub gefallen, also nehme ich Schickes und Super-Schickes mit. Mein Mann lässt mich klaglos gewähren.
Ich gebe gerne zu, dass es in den ersten Tagen manchmal so aussieht, als sollten es doch nicht die schönsten Wochen werden. Ein ungeschicktes Wort jagt das andere und die Gesichtsmimik verdunkelt sich.
Warum kann ich nicht alles sehr entspannt sehen? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich reicht die richtige Urlaubsgarderobe alleine nicht aus, der Kopf muss auch bereit sein.

 

Zunächst irritiert uns die Lage unseres Hotels in der Nähe von Zürich, in Wetzikon. An der linken Seite eine Hauptstraße und rechts der Bahnhof. Hier dient das Hotel als Bahnhofskneipe. Den Vorteil des Hotels bemerken wir erst am nächsten Tag, als wir mit dem Zug nach Zürich fahren. Da ist alles wunderbar direkt und kurz und einfach.
Ab da wird alles so, wie wir es erwartet haben. Überwältigend! Die wunderschöne kleine Großstadt Zürich, das Geld, das man überall spürt und fühlt, das uns imaginär verfolgt.
Ich habe gelesen, Zürich sei die Stadt mit der weltbesten Lebensqualität. Ich würde auch gerne eine Zeit hier leben, wenn ich das Geld dazu hätte.
Der Zürichsee mit seinen vielen kleinen Orten und lustigen Namen, Pfäffikon und Rapperswil, der Thuner See, eine Hochzeit mit 350 Gästen, und das Jungfraujoch.

 

Doch schöner als jedes Klischee von der Schweiz ist das Treffen mit unserer Familie. Die Enkeltöchter Linda und Paula, die wir leider zu selten sehen, sind wunderbare, aufgeweckte und liebenswürdige Mädchen. Wie gerne würde ich ihr ansteckendes lustiges Lachen und ihre Frage, „Oma, bischt parat?" öfter hören. Sie fehlen mir schon jetzt wieder!

Unsere kleinen Ungeschicklichkeiten zu Beginn der Reise weichen immer mehr einem wohligen Urlaubsgefühl und ich glaube, sie passen sich dem „Schönen", das uns begegnet an.
Für die letzten drei Tage reisen wir weiter nach Österreich, ins Montafon. Es ist ein kleiner Kulturschock, obwohl wir den Alpenraum nicht verlassen, erwartet uns eine völlig andere ‚Gastkultur'. Von einer zuweilen verschlossenen und reservierten schweizerischen Gastfreundlichkeit sind wird in eine sehr herzlich-gesellige Umgebung gekommen, in der wir die Leidenschaft der Gastgeber in jedem Augenblick spüren.
Wir stellen diese kleinen Unterschiede des ‚Anderssein' unernst und mit einem Augenzwinkern fest. Wir sind inzwischen sehr entspannt und genießen alle Klischees und Eigenarten.

 

Klaus und ich fahren am Morgen mit der Seilbahn auf den Hausberg von Gaschurn, unserem Urlaubsort, auf eine Höhe von über 2000 m. Die Sohle meiner robusten Wanderschuhe schwächelten bereits vor Antritt des Aufstiegs, aber für die eine bevorstehende Wanderung scheint es alles noch gängig. Plötzlich höre ich hinter mir ein Geräusch, so, als ob jemand mit Badelatschen direkt hinter mir her schlappt. Ich dreh mich um, nichts. Das Geräusch bleibt. Ich schaue nach meinem Schuh und sehe, das der, inzwischen abgelöste Absatz meines Wanderschuhs, diese lustige Geräusch verursacht.
Nachdem wir die Sache ausführlich belacht haben, beenden wir den „Gipfelsturm" und beginnen den Abstieg, um uns nach neuen Schuhen umzuschauen.

 

Ich war traurig, als das Urlaubsende nahte aber glücklich darüber, dass ich bezüglich unseres Urlaubs eine richtige Überzeugung hatte. Zumindest in diesem Jahr!


in vergnüglich-selbstkritischer Wachheit

 

Eure Alorac

Kommentare (1)

cosima-Pia

Dein Urlaubsbericht ist so schön herz-erfrischend. Ich habe ihn gerne gelesen und denke, ein bisschen so ist es auch bei mir, im Urlaub. Eine Weile braucht man, bevor man das schöne entdeckt. Ich habe deinen blog so lange vermisst und freue mich auf den nächsten! lg Cosima
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