Wer entscheidet, ob das Leben anstrengender wird oder entspannter?

02. September 2011 Blog von Carola Wiegand
Wer entscheidet, ob das Leben anstrengender wird oder entspannter ?

Als ich 40 wurde sagte ein Freund zu mir „Nimm es nicht so schwer mit der 40, das Leben geht weiter“. Ich verstand nicht, was er mir sagen wollte. Aus heutiger Sicht war ich damals nicht sonderlich selbstbewusst sondern ignorant meinem ‚Alter’ gegenüber. Heute, einige Jahre später, habe ich einen geschärften Blick auf mich, der meistens pfleglich-rücksichtsvoll ist aber auch schonungslos sein kann.
Schonungslos wird er immer dann, wenn ich merke, dass sich kleine Speckröllchen an meinen Bauch schleichen, mit denen ich mich nicht anfreunden kann. Nach einiger Zeit des Lamentierens unternehme ich etwas dagegen. Das Problem dabei ist immer, dass niemand meine Anstrengungen versteht oder mich darin bekräftigt. An Anerkennung ist gar nicht zu denken.

        Es ist so, dass Frauen meines Alters entweder sehr fraulich wirken und damit ihr wahres Alter nicht verheimlichen wollen und es gibt andere, dazu gehöre ich wahrscheinlich, die gerne danach schauen, was den Jüngeren gefällt in der Mode und bei anderen Kleinigkeiten.
Obwohl ich mit meiner Mutti, so lange ich denken kann, ein sehr nettes Verhältnis habe, verfällt sie manchmal in missbilligend-belustigende Bemerkungen zu meinem Outfit, die ich mit Humor trage.

Es ist in der Tat eine Gratwanderung, je älter man wird. Auf der einen Seite scheint es verlockend zu sein alles, einschließlich der Pfunde, ein bisschen gemütlicher anzugehen, das Leben mehr zu genießen und sich mit nichts Stress zu machen, sich keinem Diktat mehr zu unterwerfen.  Andererseits aber, so lange wie möglich, das sichtbare Alter aufzuschieben, um seiner selbst willen.
Ich fühle mich in unverkrampfter Weise dem ‚Andererseits’ verbunden, verspüre aber dennoch unentwegt, dass die Möglichkeiten, Dinge zu tun, auch neu zu beginnen immer enger werden.
Ich hege große Sympathie mit der Techno-Musik meiner Kinder und stehe mit ihnen im Fanblock im Fussball-Stadion. Und frage mich manchmal, „Was geht noch und wie lange?“ Erscheine ich meiner Umgebung sympathisch und selbstbewusst oder wirke ich verkrampft? Und wer  bestimmt das?
        Ich liebe es, ein wenig rebellisch zu wirken und mein Alter hin und wieder zu vernachlässigen aber vor allem den Satz „Das tut man nicht!“ zu ignorieren. Ich überschreite gerne Grenzen und nehme wahr, wie ich damit auf Menschen wirke. Die einen nehmen es freundlich schmunzeln zur Kenntnis, andere zollen mir ‚Respekt’ für meinen Mut und dann gibt es meine Mutti, die sagt, was ihr an mir nicht gefällt.  Das ich damit auch polarisiert habe, war mir lange nicht klar.

Heute genieße ich an jedem Tag alles Schöne und Außergewöhnliche. Das ist das Lachen meiner Mutti, die ihr tägliches Leben nur noch mit fremder Hilfe bewältigen kann, das ist ein wunderbar-warmherziges Gespräch mit Klaus oder meinen Kindern und das Zusammensein mit Freunden. Das alles erwärmt auf so wunderbare Weise meinen Tag und die Zeit und ich genieße es unendlich.
Heute - ist meine Zeit, eine vergnügliche.

In  vergnüglich-selbstkritischer Gelassenheit

Eure Alorac

Kommentare (1)

Cosima-Pia

Heute - ist meine Zeit. Ein Satz, so einfach und weise. Wunderbar!! Ich freue mich auf die nächsten Sätze. Bitte schreibe weiter, hör nicht auf !!! Cosima
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