An die Arbeit gehen heißt, Zeit zu haben

18. Juli 2011 Blog von Carola Wiegand
An die Arbeit gehen heißt, Zeit zu haben

Hört sich widersprüchlich an, aber ich glaube, das stimmt.
Ich bin seit geraumer Zeit zu Hause, gehe also keiner Arbeit von früh 7.00 Uhr bis nachmittags oder abends nach. Zunächst war ich sehr unglücklich über diesen Verlust und versuchte es zu ändern. Es war jedoch keinesfalls so, dass ich meine Stunden einem müßigen Zeitvertreib widmete. Ich las viel und gerne, recherchierte, suchte Neues, was ich tun könnte, hatte Ideen und verwarf sie. Mein Laptop entwickelte sich dabei immer mehr zu meiner ‚rechten Hand'. Ohne ihn ging gar nichts mehr. Dann gibt es viele kleine Handgriffe im Haus und mit der Familie, die allein für sich genommen nicht erwähnenswert wären aber in der Summe einen nicht unerheblichen Teil meiner Tageszeit beanspruchen.
Eines fügte sich zum anderen und es kam die Zeit, dass meine Mutti immer mehr auf meine Hilfe und Unterstützung angewiesen war. Eine neue Aufgabe, die gerne annahm. Die Tage plätscherten dahin.
Ich erinnere mich mit Wehmut an mein Büro in Erfurt. Mein Arbeitstag begann mit einem Tagesplan, den ich am Morgen festlegte und aufschrieb und den ich im Laufe des Tages erledigte. Ich arbeite gerne strukturiert. Jeder, der in mein Zimmer trat wusste, dass ich nicht unbegrenzt Zeit für ihn hatte. Ich konnte viel schaffen!
Doch jetzt treffen mich alle kleinen und großen Arbeiten und Anforderungen zufällig und ich muss sie mit meinem eigenen Tagesprogramm vereinbaren.
Das bereitet mir immer wieder Stress. Und wenn ich mich am Abend frage, was ich getan habe, finde ich die Aufzählung der vielen zufälligen Kleinigkeiten lächerlich, nicht erwähnenswert. Und doch verschafft das Getane mir das Gefühl, ständig unterwegs zu sein, Dinge zu tun aber dennoch nicht alles geschafft zu haben und Stress. Hin und wieder empfinde ich, dass ich den Tag ‚vertan' habe.
Ich überlege, ein tägliches Arbeitsbuch zu führen, um mein Tun aufzuschreiben und mir klar zu machen, dass ich es etwas getan habe. Als Rechtfertigung für mich und auch für andere. Und um auf die Frage, „Was tust du denn den ganzen Tag, du hast doch Zeit" gelassener antworten zu können.

In selbstkritisch-vergnüglicher Gelassenheit


Eure Alorac

Kommentare (1)

geht mir ähnlich, wenn ich längere Zeit zu Hause bin, vielleich ist das tägliche Aufschreiben nicht schlecht, versuche es! Cosima
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