Vom Erzählen und Zuhören

12. Juli 2011 Blog von Carola Wiegand
Vom Erzählen und Zuhören

Der Gradmesser für ein gutes Miteinander ist die Fähigkeit des Erzählens und des Zuhörens. Beides gehört eng zusammen, wie Schlump und Latsch.
Es tut so gut, wenn ich Menschen sehen, die beides gut beherrschen. Die Zuneigung und der gegenseitige Respekt, die beides in sich birgt, rühren mich. Ich glaube, es ist nicht schwer, beides zu beherrschen. Andere glauben, es ist nicht notwendig.
Wer erzählt, gibt immer etwas von sich Preis und wer zuhört erfährt etwas über andere und über sich. Schade, dass sich das mache entgehen lassen. Das Zuhören ist eine Kunst. Es gibt zwei Arten davon: Das eine ist das ‚Durchgangshören', da rein, dort raus. Das zweite ist das kreative Hören, bei dem ein ganzer Film im Kopf abläuft.
Ich tausche mich gerne mit Gleichgesinnten aus. Ich habe eine Freundin mit der das wunderbar funktioniert. Leider begegnen mir auch Menschen, die unentwegt erzählen aber nicht zuhören können und wollen. Eine selbstverliebte Eigenschaft. Sie sind so von sich und ihrem Wortschwall überzeugt, dass sie nicht merken, dass ihr Gesagtes gar nicht auf willige Ohren stößt. Diese Situationen finde ich komisch, manchmal skuril. Wenn sie mir begegnet, entziehe ich mich ihr.
Neulich sagte mir eine Frau, dass sie nicht noch einmal mit ihrem Mann darüber reden bräuchte, sie hätten es schon einmal getan. Was heißt das denn bitte? Es gibt doch gar keine Option, bei schwelender Konfrontation, als miteinander zu reden.
Ich merke, dass ich in dieser schnelllebigen Zeit Ruhe brauche. Zeit für mich, um meine Gedanken zu ordnen und mich mit ihnen auseinanderzusetzen. Ich führe mit mir selbst Zwiegespräch. Ich bin dann beides, Redner und Zuhörer in einem Kopf. Manchmal muss ich schmunzeln über meine Kopfkonstrukte.
Was ich ganz besonders an Klaus schätzte, als wir uns kennen lernten, war die Fähigkeit des tabulosen Redens über alles und das achtsame Zuhören. Diese Ausgewogenheit hat sich im Laufe der Zeit verschoben. Und ich weiß nicht, warum das so ist.
Besonders schätze ich Gespräche mit jungen Leuten und mit meinen Kindern. Die unkonventionelle Art, Dinge zu sehen und zu besprechen finde ich herzerfrischend und unkompliziert. Das Leben und die Welt scheint mir dann oft einfacher und freundlicher zu funktionieren. Ich profitiere sehr von diesen Gesprächen.

in vergnüglich-selbstkritischer Gelassenheit

Alorac

Kommentare (1)

hallo, sehe ich ganz ähnlich, Deine Sichweise gefällt mir ich freue mich auf den nächsten Blog cosima
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